Header image
 
 


   
aktualisiert am: 02.02.2015

 
 


 

BERICHT VON DER
CLUBAUSFAHRT DES STEYR PUCH CLUB SALZBURG
EBBS / TIROLER BERGLAND 2014
15.08.-17.08.2014, Ebbs

 

Der Albert und die Andrea hatten eingeladen... Wir waren dabei!

Ebbs, das kenne ich nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn. Vor vielen Jahren bin ich einmal mit der Horex Regina durchgekommen - Graue Vorzeit.
Ebbs, da wollte ich schon lange einmal hin. Die Berichte in der Clubzeitung konnten einem richtig den Geschmack wecken. Der Termin passte. Also auf nach Tirol! Mit dem Neckar-Puch 500 natürlich. Denn damit fahren wir vorzugsweise solche Touren.
Das Wetter? Voraussagen erscheinen nicht sonderlich optimistisch für das Wochenende und die Tage danach. Wenn wir schon einmal in der Region sind, dann möchten wir noch ein paar Tage anhängen, Land und Leute genießen. Nach der Regenschlacht anlässlich der Chiemsee-Ausfahrt brauchte ich hinterher über eine Woche, um den Puch wieder trocken zu legen. Die Frontscheibe ist ja dicht geworden durch die Nachbesserungsarbeiten, aber wie das Wasser über die Türen zur Bodenwanne findet, habe ich bis jetzt noch nicht zweifelsfrei herausbekommen. Also nehmen wir den Lancia Y 10, der hat ja auch schon den Oldtimerstatus nach früherer Datierung längst erreicht. Den nehme ich auch gerne.

Auf in Richtung Alpen! Die Wetterprognosen bewahrheiten sich. Es konnte eigentlich nur besser werden.
Das Quartier in der Kaiserbergstraße war leicht zu finden, dann nur noch 50m bis zum Albert. Sehr praktisch! Das Eintreffen am Freitag führte die "einschlägig Bekannten" zusammen. Und noch einige dazu, nämlich die Fiat 500-Fahrer aus München. Die sind ja bekannt dafür, dass sie ihre Schmuckstücke zum Fahren verwenden und streckenmäßig vor nichts zurückschrecken, wobei die Route von der Landeshauptstadt her doch recht überschaubar ist.

Die perfekte Planung zeigte sich gleich durch den Shuttle-Service nach Kufstein zum "Batzenhäusl". Wie eng geordnet die Stadt zwischen Inn und Burg eingezwängt liegt, war mir so nicht bewusst gewesen. Die Spuren der langen Geschichte beeindruckten mich sehr. Die urige Wirtschaft sammelte uns auf. Das vielfältige Abendessen in gemütlicher Atmosphäre überraschte alle positiv. Nur mit dem Plaudern ging es nicht so wie gewünscht. Eine weitere Gesellschaft feierte den Junggesellenabschied zeitgemäß. Aber jetzt verstehe ich etwas den Aushang eines Wirtes in der Fränkischen Schweiz, der solche Treffen für unerwünscht erklärt. Aber der anschließende Gang durch die Altstadt und der Besuch weiterer ungewöhnlicher Wirtschaften wie dem "Stollen" entschädigte uns alle. Der Nachtwächter der Stadt läutete zu vorgerückter Stunde dann den Heimweg ein.

Die Kühle des nächsten Morgens konnte niemanden abhalten, sich auf das Programm des Tages zu freuen. Das Museum Tiroler Bauernhöfe wurde nach einer kurzen Fahrt über wunderbare Nebenstraßen erreicht. Kaum neben der Autorollbahn und doch weit weg davon eröffnet sich hinter jeder engen Kurve ein neuer Ausblick ins Schatzkästlein Tirol. Die Führung durch das Freigelände mit seiner Sammlung der wichtigsten Typen Tiroler Bautechnik für die bäuerliche Wirtschaft war unglaublich aufschlussreich. Die Spezialistin verstand es, verblüffend anschaulich und lebensnah die Lebens- und Wirtschaftsweise der Bauern der frühen Neuzeit bis in die jüngste Vergangenheit zu vermitteln. Unser Beifall konnte ihr hoffentlich die Begeisterung der Teilnehmer vermitteln. Für mich war es jedenfalls Anlass, das Museum später noch einmal zu besuchen.

Die Mittagszeit rückt näher. Auf dem Plan steht "Abfahrt zum Kaiserhaus". Am Rofangebirge vorbei führt uns eine schmale Straße entlang der Brandenberger Ache zum Kaiserhaus, ein Stück kaiserlicher Vergangenheit. Wo Franz Joseph gern weilte um Ruhe, Abgeschiedenheit in einer traumhaften Umgebung zu genießen, um zu Jagen und bei der Holztrift zuzuschauen, da kann es für uns nicht anders sein. Die Entscheidung draußen auf der Terrasse mit freiem Blick auf die besonnten, bewaldeten Berge oder Spezialitäten, die nicht so schnell kalt werden, wurde schnell recht pragmatisch gefällt, sich in die historischen Wirtsstuben zurückzuziehen. In diesem 500 Jahre alten Forsthaus lebt die Tradition in der Gegenwart, fortgeführt durch erlesene Gerichte österreichischer Küche. Nur ein Schlagwort: Prügeltorte, eine besondere Festtagsspeise des unteren Inntales. Wer war da nicht zufrieden?

Weiter ging es nach Rattenberg. Reisen bildet, so sagt das Sprichwort. Ein atemberaubender Ausblick bietet sich von der Burgruine Rattenberg aus. Die ehemals zweitgrößte Festung Nordtirols lässt ihre Bedeutung heute kaum mehr erahnen. Der Besuch der Stadt ist wie eine Zeitreise ins Mittelalter. Die historischen Schlafkammern in den Nagelschmiedhäusern, die stattlichen Bürgerhäuser, die Kichen und Kreuzgänge entführen in vergangene Zeiten. Die alte Tradition der Glaskunst, die Glasbläserei, ist in den engen Gassen des Städtchens allgegenwärtig. Sie brachte früher den Bürgern bescheidenen Wohlstand und ist heute eine Attraktion für die vielen Besucher. Ein großer Brauner milderte die Folgen der Wanderung durch die Stadt.

Zu bald ging die Fahrt der bunten Kolonne aus Steyr-Puchs und Fiats wieder zurück abseits der ganz großen Straßen. Für Ebbs wurde der Treffpunkt festgelegt. Überraschung! Ein Special-Road-Train nahm uns auf und trug uns in gesetztem Tempo über Nebenwege zum Sattlerwirt. Die Kostproben edlen Destillats waren inbegriffen und sorgten für Kurzweil.
Das gemeinsame Abendessen beim Wirt führte uns alle wieder zusammen zum Genießen der wunderbaren Spezialitäten einheimischer Küche. Und Benzingespräche wurden wohl weniger geführt als vielmehr geplaudert über die Erlebnisse des Tages und alles mögliche andere. Man trifft sich eben mit netten Leuten!

Der Sonntag gefiel in der Frühe schon mit Sonne. Ein ausgiebiges Frühstück bereitete den Tag gebührend vor. "Ein bisserl Bayern" war angekündigt. Das sollte man nicht so eng sehen: Da gibt es wohl eine Grenze zwischen Tirol und den Nachbarn, aber die Geschichte konnte nur verbinden. Vom Treffpunkt ging es nach Erl. Eine überraschende Pause. Heinz hatte vorgesorgt, Prosecco im Angesicht von Schauspielhaus für die seit 400 Jahren gepflegten Passionsspiele und des Festspielhauses, das an einer Tradition noch arbeiten muss, gibt es nicht alle Tage.
Von dort aus waren Nussdorf, Brannenburg, Bad Feilnbach und Bayrischzell die Durchgangsstationen um den Wendelstein herum zum Sudelfeld. Die durch die "Biker" etwas in Verruf geratene, kurvengierige Strecke bereitete keine Überraschungen und führte uns in die Höhen mit seinen Ausblicken auf die Nordalpen. Der geplante Mittagstreff auf der Speckalm wurde kurzfristig zum Berggasthof Bichler See verlegt. Auch gut, wie ich finde! Schon die Zufahrt führte begeisternd über kleinste Straßen und Winkel weiter durch die Tiefen der Wälder. Die Bergwirtschaft bot von der Terrasse aus einen traumhaften, freien Ausblick auf die Kalkalpen. Sonne, angenehme Temperaturen, bayerische Küche (z.B. Schweinsbraten klassisch) und nette Gespräche konnten allerdings nicht verdecken, dass hier die "Ebbser Roas" ihren Abschluss finden sollte.

Vielen Dank an Albert und Andrea für die schönen Ausfahrten, die trefflichen Ziele, die perfekte Organisation. Ein wirklich schönes Wochenende! Man freut sich auf das nächste Treffen im Unterland.
Wir Franken blieben noch ein paar Tage, um weitere Entdeckungstouren zu unternehmen. Es gibt so vieles zu finden. Ein Highlight, nämlich blitzend in der Sonne und gar nicht so hoch über uns, war ein Oldtimer der Lüfte, der ruhig brummend über dem Inntal Richtung Westen zog, eine Super Constellation C121C, die "Breitling", eine von zwei noch fliegenden Connies. Herrlich!

Hans-Georg Tröltzsch


zurück